25.07.2025. Zentralbanken haben vor allem eine Aufgabe: Die Preise stabil zu halten. Regierungen haben gegenüber Zentralbanken eine wichtige Aufgabe: Ihre Unabhängigkeit zu respektieren. Dass US-Präsident Trump das anders sieht, dürfte kaum überraschen. Er übt massiv Druck auf die Fed aus, insbesondere auf Notenbankchef Jerome Powell, indem er Zinssenkungen von bis zu drei Prozentpunkten fordert – etwa auf 1 % – um die Staatsverschuldung zu senken, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Powell fürchtet jedoch, die geforderte Zinssenkung befeuere die Inflation.
Trump drohte daher mehrmals, Powell, dessen Amtszeit noch bis zum Frühjahr 2026 geht, vorzeitig zu entlassen. Dies wäre laut Gesetz nur aus einem wichtigen Grund („for cause“) zulässig. Daher wirft Trump Powell vor, die Renovierungskosten des Hauptsitzes der FED nicht im Griff gehabt zu haben. Doch Trump wäre nicht Trump, würde er nicht an einem Tag behaupten, das Entlassungsschreiben läge bereits in der Schublade, um am Tag darauf zu erklären, er würde „höchst unwahrscheinlich“ jemanden feuern. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte.
Sollte Trump nach der Ära Powell einen MAGA-Vertrauten auf den Chefposten der Fed setzen, könnte dies unangenehme Folgen haben. Besonders eine Verteuerung der Anleihekredite dürften die USA schwer belasten. Experten erwarten eine stark ansteigende Schuldenquote aufgrund der „Big Beautiful Bill“. Trumps Strategie, über Drohungen, personelle Wechsel und politische Einflussnahme auf die Fed‐Politik zu wirken, birgt – wie der Blick in die Türkei zeigt – erhebliche Risiken: steigende Inflation, höhere Kapitalmarktzinsen, Entwertung des Dollar und eine Erosion der institutionellen Stabilität – national wie global. Die USA drohen, ihre Attraktivität für Investoren dauerhaft zu verlieren.
n-tv, 25.07.2025: „Streit um Renovierungskosten: Fed-Chef Powell kann bei Trump-Besuch nur den Kopf schütteln“. https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/streit-um-renovierungskosten-fed-chef-powell-kann-bei-trump-besuch-nur-den-kopf-sch%C3%BCtteln/ar-AA1JeTVw
Wirtschaftswoche Nr. 30, 30.07.2025, S. 26 – 29: „Trump wird niemals aufhören“
AP, 18.07.2025: „Trump’s attacks on Powell threaten the Fed’s independence. Here’s why it matters“. https://apnews.com/article/fed-federal-reserve-powell-trump-63c3e35e8606b7b73455b08aa21456dd (in Englisch)
zdfheute, 17.07.2025: „Senatoren warnen vor Entlassung von Fed-Chef“. https://www.zdfheute.de/politik/ausland/trump-fed-powell-entlassung-republikaner-100.html
PoliticoPro, 16.07.2025: „Why Some Trump Allies Want to Protect the Fed’s Independence”. https://subscriber.politicopro.com/article/2025/07/trump-powell-fed-independence-interest-rates-inflation-00459115?utm_source=chatgpt.com (kostenpflichtig)
Investopedia: „Why Is the Federal Reserve Independent?”. https://www.investopedia.com/articles/investing/041515/why-federal-reserve-independent.asp?utm_source=chatgpt.com
Verein Berliner Börse e. V.
Kurfürstendamm 129 D
10711 Berlin
Allgemeine Anfragen
Telefon: +49 30 311091-0
E-Mail: info@boerse-berlin.de
Journalistenanfragen
Telefon: +49 30 311091-29
E-Mail: presse@boerse-berlin.de
Anfragen zu Finanzbildung und Schulbesuchen
Telefon: +49 30 311091-29
E-Mail: finanzbildung@boerse-berlin.de